Grußwort des Stuttgarter Oberbürgermeisters Dr. Wolfgang Schuster


aus Anlass 60 Jahre Rede der Hoffnung am 4. Oktober 2006 im Opernhaus in Stuttgart

 

Es gilt das gesprochene Wort

 

Dear American Friends

Dear Friends of America

Ein herzliches Willkommen zu diesem historisch bedeutsamen Jubiläum.

 

Es ist mir eine große Ehre und Freude, herausragende Persönlichkeiten begrüßen zu können.

Ich freue mich, Sie, Frau Ministerin Dr. Schawan in Vertretung von Frau Bundeskanzlerin, begrüßen zu können.

 

Mein Gruß gilt unserem Ministerpräsidenten, Herrn Günther Oettinger, unserem Landtagspräsidenten, Herrn Peter Straub.

 

Ganz besonders begrüße ich den langjährigen amerikanischen Außenminister, Herrn Professor Henry A. Kissinger. Wir freuen uns auf Ihre Festrede.

 

Heute ist Stuttgart  ein erfolgreiches Zentrum der Hochtechnologie. Als die exportstärkste Region in Deutschland sind unsere Unternehmen in 180 Ländern aktiv. Es gibt keine Stadt weltweit, in der Sie nicht Stuttgarter Produkten begegnen. Natürlich gibt es ganz enge wirtschaftliche Beziehungen in Deutschland und in den USA, in besonderer Weise durch das größte deutsch-amerikanische Unternehmen DaimlerChrysler.

 

Menschen aus 170 Nationen leben in unserer Stadt – und wir alle leben gerne hier friedlich und tolerant zusammen in einer der wohlhabendsten europäischen Großstädte. Die Stuttgarter Oper wurde in den letzten 10 Jahren sechsmal als „Oper des Jahres“ ausgezeichnet.

 

Vor 60 Jahren welch ein Kontrast! Stuttgart lag, wie viele deutsche Städte, in Trümmern. Das einzige größere Gebäude, das durch einen glücklichen Zufall nicht dem Bombenkrieg zum Opfer fiel, war dieses Opernhaus.

 

Die Menschen litten unter Hunger, sie hatten kaum Arbeit und kaum geregeltes Einkommen, sie waren oft orientierungslos und verzweifelt. Sie trauerten um Millionen von Angehörigen, die sie in diesem schrecklichen, von den Nazis zu verantworteten Krieg, verloren hatten.

 

Welch ein Zeichen der Hoffnung und der Ermutigung war es für die Menschen, die Worte des US-Außenministers Byrnes zu hören: „Das amerikanische Volk will dem deutschen Volk helfen, seinen Weg zurück zu finden zu einem ehrenvollen Platz unter den freien und friedliebenden Nationen der Welt.“ Dieser Satz wurde oft zitiert – zu Recht. Denn dies war der Schlüssel, dass sich der westliche Teil Deutschlands zu einem demokratischen, friedlichen und wohlhabenden Land entwickeln konnte.

 

Bekanntlich folgten Care-Pakete, der Marshall-Plan und der schrittweise Aufbau eines demokratischen Westdeutschlands.

 

Deshalb ist die Dankbarkeit der Generation meiner Eltern gegenüber den Amerikanern tief verwurzelt.

 

Aber auch die Nachkriegsgeneration hat allen Grund zur Dankbarkeit gegenüber den USA. Denn ohne die Nato und die erhebliche Präsenz des amerikanischen Militärs, hätten wir gegen die Sowjetunion und den Warschauer Pakt uns nicht behaupten können.

 

Wieder waren es die Amerikaner, die uns geholfen haben, den Eisernen Vorhang durchlässiger zu machen. Die große historische Chance der friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit hätte es ohne die Unterstützung der USA nicht gegeben.

 

Die freundschaftlichen Beziehungen zu den Amerikanern sind bis heute tief verwurzelt. Deshalb freue ich mich auch, dass trotz des Rückzugs der meisten amerikanischen Einheiten das European Comand in Stuttgart geblieben ist.

 

A special welcome to General Speer and all the officers and soldiers. I hope that you feel at home here in Stuttgart and in Baden-Württemberg.

 

Ich bin auch dankbar, dass wir eine lebendige Städtepartnerschaft mit St. Louis neben vielen freundschaftlichen Verbindungen mit amerikanischen Schulen und Hochschulen pflegen können. Nicht zuletzt danke ich dem Land Baden-Württemberg, dass nach Schließung des US-Generalkonsulats und des Amerikahauses, in gemeinsamer Trägerschaft das James-F.-Byrnes-Institut entstehen konnte.

 

Es geht nicht nur um Dankbarkeit unseren amerikanischen Freunden und Verbündeten gegenüber, sondern es geht künftig um die aus der Freiheit wachsende Verantwortung in Zeiten der Globalisierung im 21. Jahrhundert.

 

Ich darf nochmals Byrnes zitieren: „Wir haben wohl oder übel lernen müssen, dass wir alle in einer Welt leben, von der wir uns nicht isolieren können. Wir haben gelernt, dass Frieden und Wohlergehen unteilbar sind und dass Frieden und Wohlergehen in unserem Land nicht auf Kosten des Friedens und Wohlergehens eines anderen Volkes erkauft werden können.“

Diese programmatischen Sätze lassen sich nahtlos in das Miteinander in unserem „Global Village“ übertragen. Gerade weil Frieden und Wohlergehen unteilbar sind und beides nicht auf Kosten anderer Nationen folgen darf, bedarf es großer Anstrengungen für eine gerechtere Globalisierung.

 

Dies betrifft gerade auch eine Region wie Stuttgart, die bislang zu den Gewinnern der Globalisierung gehört. Gefordert sind dabei alle politischen Ebenen, sowie Unternehmen und die Bürgerschaft.

 

Aus diesem Grunde habe ich vor einem Jahr die „Stuttgarter Partnerschaft Eine Welt“ gegründet, in der sich rund 150 Organisationen, Vereine, Initiativen, Unternehmen und Hochschulen verpflichtet haben, zu den Millenium-Entwicklungszielen der Vereinten Nationen beizutragen. Ich bin davon überzeugt: Wenn es uns nicht gelingt, den Menschen in der sogenannten dritten und vierten Welt bessere Lebensperspektiven vor Ort zu eröffnen, wenn sie zu den Verlierern der Globalisierung gestempelt werden, dann werden sie im Zweifel in noch viel größerem Umfang zu uns einwandern und sich radikalisieren. Gewalt bis hin zum Terrorismus wird sich weiter ausbreiten und die Brücken zu einem interkulturellen Dialog werden dann immer schmäler werden.

 

Weil wir alle im 21. Jahrhundert in einer Welt leben, von der wir uns nicht isolieren können, liegt es an unserem eigenen wohlverstandenen Interesse, die Kluft zwischen Nord und Süd, zwischen Verlierern und Gewinnern der Globalisierung zu verringern, weil Frieden und Wohlergehen unteilbar sind.

 

In diesem Sinne wirkt das Vermächtnis von James F. Byrnes weiter. Es liegt an uns, in unseren unterschiedlichen Aufgabenfeldern unsere Freiheit mit der Verantwortung für eine friedliche und tolerante Zukunft in Stuttgart, in Baden-Württemberg, in Deutschland, in Europa und darüber hinaus wahrzunehmen.

 

Deshalb hoffe ich, dass von diesem 60. Jubiläum auch ein Signal für ein friedliches, gerechtes Miteinander in unserem „Global Village“ ausgeht.